Die Ersten Eindrücke

Nun bin ich inzwischen seit zehn Tagen in Ecuador und habe ehrlich gesagt noch keine Zeit gehabt, über all die verschiedenen Erlebnisse nachzudenken, denn es ist bisher noch kein Abend vergangen, an dem ich nach dem Nachhausekommen nicht todmüde ins Bett gefallen bin. So bin ich eigentlich ganz froh, dass ich diesen Freitagabend  mal einfach zu Hause bleiben kann, um diesen Beitrag zu schreiben.

Begonnen hat alles mit einem sehr anstrengenden Flug nach Quito, mit einem 2 Stunden länger vorhergesehen Aufenthalt in London und damit auch leider mit eben soviel Stunden kürzeren Aufenthalt in Miami, und wer die amerikanischen Sicherheitskontrollen kennt, weiß was das heißt..Trotzdem kamen wir alle heil und ohne Koffer (die konnten leider nicht so schnell rennen wie wir..) in Quito an, wo wir herzlichst von unserer Mentorin empfangen wurden. Nun mussten wir nur noch auf eine Mitfreiwillige warten, die erst um nach Mitternacht Ortszeit ankam, gefühlt war es für uns aber schon wieder morgen. Mit einem Kleinbus ging es schließlich gleich weiter nach Riobamba, und da die Fenster nicht richtig schlossen, bekamen wir schon mal ein Gefühl von der Kälte in den ecuadorianischen Anden. Nur ein kurzes Hallo und Küsschen auf die Wange (wie hier die übliche Begrüßung in Ecuador ist) mit unserer Gastmama (ich habe noch eine deutsche Gastschwester), und wir fielen todmüde um halb fünf ins Bett.

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irgendwo in Kanada
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unser Hausberg

Am nächsten Morgen bekamen wir dann einen ersten Eindruck von unserer Gastfamilie, meiner Gastmama Norma, meinem Gastpapa Julio, sowie deren drei schon erwachsenen Kindern und drei Enkelkindern. Die Familie scheint hier einen sehr großen Stellenwert zu haben und die Kontakte, auch zu entfernteren Verwandten, werden sehr gepflegt. Meine Gasteltern sind sehr sehr freundlich und geduldig und es fällt mir nicht schwer, den wenigen Regeln wie Ordnung und Sauberkeit zu folgen. Ich bewohne ein kleines Einbettzimmer mit Schreibtisch und Schrank, was mir völlig reicht, denn dieses benutze ich ja nur zum schlafen. Nur ein paar Bilder will ich mir noch an die Wand hängen. Da meine Gastmama sehr gerne kocht, lernen wir die ecuadoroanische Küche auch schon gleich kennen: arroz, pollo und papas. Jedes Gericht ist unterschiedlich, doch davon ist immer was dabei. Doch das Beste sind die frisch gepressten Fruchtsäfte mit Papaya, Melone, Ananas und viel mehr, die wir jeden morgen zum Frühstück bekommen. Ich fühle mich schon sehr wohl hier und wurde auch schon als Sohn aufgenommen.

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der Chimborazo
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mi habitación

Die Umgebung in Riobamba ist geprägt von fünf Vulkanen, davon der 6267m hohe Chimborazo. Die Stadt selber liegt somit in einem 2700m hohen Kessel, was die Luft sehr dünn und trocken macht und erstmal zerrissene Lippen, jedoch an klaren Tagen eine fantastische Aussicht mit sich bringt. Da unser Gastbruder dank seiner Fähigkeiten in fünf verschiedenen Teams Fußball spielt und damit sein Geld verdient, haben wir schon zwei verschiedene pueblos in den Anden besucht, was sehr interessant war, denn in einem wurde ich von einem betrunkenen Fan als Gringuito genannt, und in dem anderen kam ich mit ein paar Quichua ins Gespräch, die mich in ihr Fußball Team locken wollten, und mir dann ein paar Wörter Quichua beibrachten. Zum Schluss wollte mich sogar ein etwas älterer indígena zum Heiraten bringen , weil ich somit ja die die Gebräuche, Sitten und Sprache kennen lernen könne, sowie eine eigene Familie haben könnte. Pero dije que ya tengo una familia en Riobamba…

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in Guano mit Hulk

 

Riobamba selber ist eine große und ruhige Stadt, die jedoch an Wochenenden ein reges Nachtleben im Zentrum hat. Ich persönlich kann mich noch gar nicht zurechtfinden hier, da die Straßen alle vertikal oder horizontal laufen, und alles sehr ähnlich ausschaut. Es gibt hier kaum ein Haus, dass nicht einen kleinen Laden betreibt, in denen aber in allen das gleiche verkauft wird, ähnlich wie in deutschen Tankstellen. Die Fortbewegung ist zu Fuß möglich, jedoch sollte man aufgrund des sehr belebten Verkehrs gut aufpassen. Busse kosten hier 30 centavos, nur gibt es leider keine Buspläne, einzelne Haltestellen stehen auf der Windschutzscheibe, aber es ist trotzdem besser, man fragt den Busfahrer, wohin er fährt. Außerdem gibt es noch die Taxis, die auch nur  ein bis zwei Dollar pro Fahrt (für uns Deutsche) sehr billig sind. Somit ist es für unsere kleine Deutsche Freiwilligengruppe, wir sind insgesamt sechs, kein Problem, mal abends etwas zu unternehmen. Verschiedene Bars und Karaoken wurden schon von uns ausgekundschaftet, jedoch haben wir als Alternativen zu den hier verbreiteten Budweiser und Pilsener nur das Michelada gefunden, eine Biermischung mit Lemon und Salz. An zwei Abenden haben wir eine Kletterhalle besucht, die uns ein bisschen sportlichen Ausgleich zur Arbeit bietet, es gibt verschieden schwere Kletter und Boulderrouten, die ich zum Ende des Jahres hoffentlich alle kann. Unser aller Ziel ist es, irgendwann einen der umgebenden Vulkane zu besteigen, somit schadet uns das bisschen Training nicht.

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beim Klettern

Als wir am Freitag den 26. August gemeinsam mit unserer Mentorin zum ersten Mal unsere Arbeitsplätze besichtigten, staunte ich nicht schlecht, als auf einmal meine ganze Organisation für mich ein Geburtstagslied gesungen und anschließend mit uns Deutschen getanzt hat. Die Fundacion Proteccion y Descanso besteht aus 30 Betreuten verschiedener geistiger Behinderungen, sowie ca. 10 Betreuern, zum Teil Praktikanten, zum Teil fest angestellt. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, denn die Leute arbeiten gerne hier, und die Betreuten sind alle sehr fröhlich. Es hat mich sehr positiv überrascht, wie stark die sozialen Kompetenzen ausgeprägt sind, denn es wird hier untereinander geholfen, gelacht, betreut, und es hat auch jeder seine eigenen Aufgaben in der Gruppe. Ich persönlich soll die Fundación im Bereich Musiktherapie unterstützen, dazu habe dazu auch ein eigenes kleines Zimmer bekommen, das mit einem Keyboard, einer Gitarre sowie Trommeln und Rasseln ausgerüstet ist. Nun ist aber es so, dass ich am Montag einfach gesagt bekommen habe, dass ich mir aus den Gruppen immer einzeln ein paar oder auch mehrere Leute herausnehmen soll, und mit ihnen dann einfach 20-30 Minuten Musiktherapie machen soll. Da ich einen Vorfreiwilligen in der Organisation hatte, war es anscheinend allen klar, was ich machen sollte, nur mir nicht.., so habe ich mir in dieser Woche mir die Leute einfach einzeln aus ihren Gruppen herausgeholt, um herauszufinden, was jedem persönlich gefällt, was die verschiedenen Stärken sind, so dass ich später auch in größeren Gruppen arbeiten kann. Und auch tatsächlich gefällt es den einen mehr, wenn ich ihnen ruhige Lieder auf dem Keyboard vorspiele, wohingegen die anderen lieber selber auf dem Keyboard rumspielen, dann gibt es diejenigen, denen das Trommeln furchtbar Spaß macht, und auch mit Rhythmus etwas anfangen können, und die, die damit nicht viel anfangen können. Auf jeden Fall will ich in der Zukunft mit etwas mehr System und Pädagogik arbeiten, so dass ich auch längerfristige Ziele verfolgen kann, je nachdem, was wem Spaß macht und wer welche Fähigkeiten hat. Außerdem soll ich eine Chorgruppe weiterführen, wo ich mir jedoch mir noch völlig unbekannte spanisch-sprachige Lieder suchen muss und auch erstmal selber spielen lernen muss. Allen in allem muss ich leider auch eingestehen, dass ich kein Musiklehrer bin und noch viel lernen muss, denn im Moment fühle ich mich noch leicht überfordert, jedoch freue ich mich sehr auf diese Herausforderung und werde in den nächsten Wochen mir einige Konzepte überlegen.

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mein Geburtstag
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Fundacion Proteccion y Descanso
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meine Mitfreiwillige Dana

Alles in Allem geht es mir hier sehr gut. Ich begreife jeden Tag ein Stückchen mehr, dass ich hier für ein Jahr wohnen darf, und wie weit Deutschland weg von hier ist, jedoch macht mir das bisher wenig aus. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Wochen und neue Erfahrungen, denn jeder Tag ist hier anders.

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Ein Gedanke zu “Die Ersten Eindrücke

  1. Hallo Peter, sehr interessant der Anfang! Da kannst du sehr kreativ sein. Bei uns regnet es heute etwas, aber die ganzen letzten Tage war es unerwartet warm und schön. Ich habe schon die nächste Colombo reunion hinter mir, es kommen immer wieder neue Leute. Gestern war dann London reunion, alte Freunde aus Londoner Zeiten, aber Alice, Christiane und Andrea sind ja derzeit in Berlin und nur Pia in Manchester. Heute abend treffe ich wieder jemanden den ich aus Colombo kenne. Und morgen – du wirst es kaum glauben – soll endlich mein Auto kommen. Ich wünsche dir eine gute Woche! Gruß Heike

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