Andere Wege

Im Einklang mit der Natur sein. Sich neuen persoenlichen Herausforderungen stellen. An die Grenzen gehen, Energiereserven entdecken. Sich in schwindelnede Hoehen begeben. Abwechslung haben und auch mal ohne Plan zurecht kommen, spontan sein und dem Zufall Raum geben. Und am wichtigsten: Immer ein Ziel vor den Augen haben!

Schon in Deutschland war ich viel wandern. Die Alpen bieten wunderschoene Landschaften und reizen einen mit vielen verschiedenen Berggipfeln. So ist es kein Zufall, dass es mich an einen Ort verschlagen hat, der umgeben von 5 Vulkanen ist.

Ich selber hatte schon die Moeglichkeit, bei zwei dieser Vulkanriesen zu wandern, bei dem mit 6310m hoechsten Berg Ecuadors, Chimboratzo und am Altar, 5319m. Schon vor mehr als einem Monat machten sich Julius, Franzi und Dave, drei Freiwillige aus Ambato, mit mir Richtung Chimboratzo auf, wir hatten zwei Tage geplant und wollten in einem kleinen Quechua-Dorf in einem Hostel schlafen, mit der Hoffnung, das uns die Hoehe von 3800m in der Nacht nicht schadet. Samstag Mittag angekommen und mit dem Noetigsten versorgt fuer zwei Tage Wanderung plus Nacht beschlossen wir zunaechst einmal zu einem Bergwald am Fusse des Berges, dem bosque de polyepsis zu wandern. In Deutschland bin ich oft einfach mit den Blick auf den Boden gelaufen und war am Ende froh, oben am Gipfel eine schoene Sicht zu haben. Hier war das jedoch ganz anders, denn jeder Blick ist atemberaubend. Von dem schier unendlich scheinenden kargen Grasland, auf dem die vom aussterben bedrohten vicuñas, eine Lama-Art mit besonders guter Fellqualitaet, weiden, bis zu dem direkt vor einem majestaetisch tronenden Chimborazo. Der Sonnenuntergang hinter uns war dann die Kroenung eines einzigartigen Tag. Am Abend mussten wir uns dann selber ein Essen zubereiten, was kein allzu grosses Problem war, denn die Huette war mit Gas, Strom und heissem Wasser sehr gut ausgeruestet. Nur leider litten wir alle unter sehr starken Kopfschmerzen, da uns auch die Wanderung sehr hart mitgenommen hat.

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kurz vor der 2. Schutzhuette am Chimbo 🙂

Am zweiten Tag beschlossen Dave und ich uns zu zweit Richtung Chimborazo Gipfel zu gehen (sprich von 3800m auf 4500m), das Ziel war eine Hoehle, die frueher zu rituellen Zwecken von Indianern benutzt wurde. Am Anfang war der Weg noch gut sichtbar und von kleinem Gebuuesch umgeben. Jedoch nach ungefaehr 3h erhob sich vor uns ein Steilhang von ungefaehr 200m Laenge, aber nur bestehend aus Schutt, Steinen und kein Stueckchen Gras mehr. Leider war dieser auch noch 1km breit und oben war ausser Stein und Schnee nichts zu erkennen und wir hatten keinen einzigen Anhaltspunkt, um die Hoehle zu finden. Trotzdem beschlossen wir, hinaufzusteigen. 200 Meter sind normalerweise in einem Klacks bewaeltigt, jedoch diese 200 Meter waren hart, zu hart. Schritt fuer Schritt, frierend wegen dem Wind und dann wieder schwitzend wegen der Sonne machten wir uns auf den Weg. Nur dass wir bei jedem Schritt die Haelfte wieder runterrutschten, alle 10 Schritte Pause machen mussten, doppelt so viel atmen wie sonst. Am Ende haben wir 1 1/2 Stunden gebraucht. Aber das schlimme war, dass wir gemeinsam beschliessen mussten, 15 Meter vor dem Ende des Hanges, bevor die naechste Kuppe kam, hinter der sich uns ein ganz anderer Blick geoeffnet haette, zu stoppen, umzukehren. Das Problem war einfach die Kraft, und ich weiss bis heute nicht, wieso ich die Kraft dazu nicht hatte, aber ich denke, es war ein mentales Problem. Denn unser Ziel war nicht mehr klar definiert, vor uns tuermten sich nochmal 2000hm auf. So stiegen wir wieder ab und genossen dabei den Blick, der bis Riobamba reichte. Zusammen mit den anderen nahmen wir und einen Pick-Up, auf dessen Ladeflaeche wir bis nach Riobamba zurueckfahren konnten.

Ein noch aufregenderes Erlebnis war unser Altar Wochenende. Schon zu Beginn der Wanderung mussten Dana, Hannah, Julius, Dave und ich feststellen, dass es in unserem Refugio, wo wir schlafen wollten, keinen Strom, kein Licht und keine Bettdecken gibt, unsere Schlafsaecke hatten wir natuerlich auch nicht dabei. Totzdem machten wir uns bei 3000hm los, wo das Klima noch erstaunlich feucht, fast noch tropisch war. Jedoch hat sich dies schnell geaendert, schon nach 1h Schlammwanderung hat mich die Umgebung sehr star an Bayern erinnert, besonders die Kuehe, die uns entgegen kamen. Nachdem wir die meisten hm schon hinter uns hatten, erwartete uns noch eine drestuendige Auf- und Abwanderung bis wir schliesslich die Huette erreichten, in der noch 4 Brueder aus Quito uebernachten wollten.

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der Altar ueber den Daechern Riobambas

Nach einem gemeinsamen Abendessen im Kerzenschein gingen wir fruehzeitig um 9 ins Bett, alle mit allen verfuegbaren Kleidungsstuecken verpackt, sprich ich mit 4 Tshirts, Unterhemd, Pulli, Jacke, 2 Hosen, 3 Paar Socken, Schal und Muetze, dann noch zu 5 im Bett zusammengekuschelt. Trotzdem war es eisig kalt. Nach einer gefuehlten Nacht, nach einem Kurzschlaf sind wir alle wieder aufgewacht, kommt die Frage, wie viel Uhr es ist. 11 Uhr. Irgendwie wurde es dann doch irgendwann hell, in der Nacht bin ich kurzzeitig runtergegangen, um ein Feuer zu machen, und wir konnten uns zu unserem Ziel, die laguna amarilla aufmachen. Nach noch einmal 3h Wanderung in einer der Chimborazo aehnlichen Umgebung bot sich uns ein unglaublicher Blick auf den Gletschersee des Altares, dessen Wasser aber mehr blaaulich ist als gelb. Den Rueckweg habe ich nicht mehr ganz so in Erinnerung, da mich meine Beine in gefuehlter Trance irgendwie runtergetragen haben. Wieder mit Pick-Up und Bus kamen wir schleisslich zurueck in Riobamba an.

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auf 5000m am Chimbo

Ich bin sehr gluecklich darueber, dass ich die Moeglichkeit habe, neben meinem Altag in einer derartigen Umgebung einen Ausgleich kekommen kann. Ich hoffe, ich erlebe noch viele weitere schoene „Berg-Momente“ und verlier nie die Motivation, immer weiter zu gehen.

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3 Gedanken zu “Andere Wege

  1. Lieber Peter
    mit großer Freude, aber auch mit großem Staunen lese ich grade (1.1.2017!) Deinen Blog. Es ist wunderbar zu sehen, dass Deine mit Deinem Aufenthalt verbundenen Wünsche sich realisieren und es Dir (zumindest les ich das aus Deinen Einträgen) gut geht. Auch für das Jahr 2017 wünsce ich Dir viel Kraft, viel Freude und Gottes Segen.
    Christoph Müller

    Gefällt mir

  2. Hallo Peter,

    zu deinem Bericht-und Erfahrungen „Andere Wege“ können meine Frau und ich Dir nur gratulieren. Wie kann man sich und diese Welt denn sonst erfahren, wenn man nicht bis an seine Grenzen geht. Daraus aber lernt und Einsichten gewinnt, wie man es besser oder anders bewerkstelligen kann. Zukünftige Unternehmungen basieren eben auf den gesammelten Erfahrungen und dem erworbenen Wissen.
    Das Ziel sollte eben nicht nur der Gipfel, sondern vor allen Dingen der heile Rückweg und die Besonnenheit sich verantwortungsbewusst zur angemessenen Zeit dafür zu entscheiden.
    Wir sind oft in Gedanken bei Dir und deinen Aufgaben denen du dich stellst. Es ist einfach mutig und kühn diesen Einsatz zu zeigen.
    Für den Aufenthalt in dieser so herrlichen Gegend, die nicht vergleichbar mit unserer und auch nicht die der Alpen ist, können wir dich nur beneiden; gut gemacht!
    Für das Jahr 2017 wünschen wir dir weiter viel Spaß und Unternehmungslust.

    Liebe Grüße von Agnes und Hans M.

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